Regine Albrecht
Freitag, 06. August 2010

Ende der 60er Jahre waren wir Magdeburger immer wieder gespannt, neue Geschichten über Robi, den niedlichen Schimpansennachwuchs des Zoos, zu erfahren. Die Zeitung berichtete häufig und natürlich statteten meine Eltern und ich unserem Zoo regelmäßig einen Besuch ab. Ich war selber noch im Kindergartenalter und der kleine Schimpansenjunge hatte es mir ganz besonders angetan. Leider wurde Robi, wie wir alle durch die Nachrichten wussten, von seiner Mutter Conchita nicht angenommen. So musste er von Hand aufgezogen werden und stand eine Zeit lang in der Medizinischen Akademie unter ärztlicher Beobachtung. Zu dieser Zeit war es so, dass ich zusammen mit meiner Mutti jeden Tag mit der Straßenbahn fuhr, sie musste zur Arbeit und ich in den Kindergarten. Die Straßenbahnlinie 10 führte, damals wie heute, am Zoo entlang, und wen erblickten meine funkelnden Kinderaugen eines Tages unter den Passagieren? Meinen geliebten Robi! Er saß gemeinsam mit seiner Pflegerin seelenruhig in der Straßenbahn, die ihn zu seiner Routineuntersuchung in die Klinik brachte. Mich brauchte man natürlich nicht zweimal bitten. Schnurstracks hielt ich auf meinen Liebling zu, der nicht viel jünger war als ich. Ich wollte ihn natürlich streicheln, ihm „Hallo“ sagen und das ganze so hautnah, wie ich es nie für möglich gehalten hatte. Doch die ganze Aktion ging leider nicht so aus, wie ich es mir ausgemalt hatte. Mein kindlicher Übermut war Robi sicher nicht ganz geheuer und so endete unsere Traumbegegnung für mich in einem Fiasko. Als ich auf Armlänge an den kleinen Schimpansen herangekommen war, wusste er sich meiner Annäherung nicht besser zu erwehren, als mir eine schallende Backpfeife zu verpassen. Da war ich erschrocken! Heute habe ich ihm natürlich längst verziehen. Tiere sind eben auch nur Menschen.